Das Kommen und das Gehen im Institut francais

Im Kölner Institut francais fand eine Art “friedlicher Revolution“ statt .Der bisherige Leiter des Instituts ,Ahmed Ahouani, beendete seine vierjährige Tätigkeit in Köln und wird seinen beruflichen Weg in Afrika fortsetzten.

Damit allein nicht genug. Auch bei den „Freunden des Institut francais Köln e.V.“ waren Gehen und Kommen angesagt .Ihr Mitbegründer und langjährige Vorsitzende, Konrad Adenauer, schied aus der Position des Vorstandsvorsitzenden aus und wurde neuer Ehrenvorsitzender des Vereins. Seine Nachfolge  im Vorstand trat Yves Netz an.

Sowohl der äussere Rahmen als auch die rethorische Begleitung des Wandels gaben den Ereignissen einen einmaligen Charakter .Das „Black Hotel“ in Köln -Ehrenfeld, ein umgebautes Fabrikanwesen, ganz in schwarze Farbe getaucht, vermittelte einen absolut einmaligen, geradezu geheimnisvollen Eindruck.

Die“ friedliche Revolution“ war von grossen Reden begleitet. Zunächst führte der Unterzeichnete den neuen Vorsitzenden der „Freunde des Institut francais Köln e.V“., Yves Netz, verbal in sein Amt ein. Dabei gab er der Hoffnung Ausdruck, dass sich ein „Mann des Bauens“ Modernisierung und Ausbau des Institutgebäudes angelegen sein lassen werde.

Der neue Vorsitzende dokumentierte in den Worten seiner Vorstellung erste Überlegungen in diese Richtung. Die französische Generalkonsulin, Dr. Olivia Berkelay-Christmann, fand manches lobende Worte für den ausscheidenden Institutsdirektor und seine noble, freundliche Art der Führung des Instituts. Eine ähnliche Art wünsche sie sich für die nachfolgende Zeit unter der neuen Leitung von Celine L´Hostis. Der bisherige Institutsleiter, Ahmed Ahouani, fand seinerseits Worte des Dankes für die angenehme Zusammenarbeit zwischen dem Institut und seiner Klientel.

Der Wechsel bei den „Freunden des Institut francais Köln e.V.“ wurde rethorisch von Dr. Reiner Speck gestaltet, der in seinen Worten Konrad Adenauer in den grossen politischen Zusammenhang der Nachkriegszeit stellte und damit seine Arbeit für die deutsch französische Zusammenarbeit würdigte.

Der Abend fand eine würdige musikalische Gestaltung mit Nocturnes,Walzern und Etüden von Frederic Chopin, die Slawomir Olszamowski am Flügel darbot.

Herwig Nowak

 

Das Weimarer Dreieck zu Gast im Institut francais

Eigentlich entstammt der  Begriff des Weimarer Dreiecks politischem Sprachgebrauch und meint die politische Zusammenarbeit Frankreichs, Polens und Deutschlands. Ihre Bedeutung sollte indes nicht überschätzt werden.

Umso erfreulicher ist, dass dem Begriff auch eine kulturelle Komponente innewohnt und darunter auch der kulturelle Austausch unter den genannten Ländern verstanden wird. Dieser jedenfalls ist Gegenstand einer Ausstellung im Institut francais mit Malerei  und eines dazugehörigen Eröffnungskonzerts. Beides wurde nach Initiative und  Inhalt von 8 Frauen  gestaltet, die unter dem Titel “L Ìnstitut aux feminin“ Gesänge, Gedichte, Prosastücke und eben Malkunst aus ihren drei Heimatländern vorstellten .Vorgetragen wurden eigene Werke der Mitglieder des  Ensembles wie fremde Werke in den drei Originalsprachen. Es waren Inhalte, wie sie sich aus der Sicht der Frau zu den ewigen Themen wie auch zu Tagessorgen ergeben.

Aber die eigentliche künstlerische Stärke des Abends lag bei der Malerei, also bei der Ausstellung. Zunächst nimmt wunder ,welch` intensive Hinwendung die gezeigte Kunst zu traditionellen Themen nimmt. Geschichtsbezogenem Denken kommt in Frankreich eine höhere Wertigkeit als in unserem Land zu. Ob man an die Kollektion von Porträts der Madame de Stael von Martine Metzing-Peyre denkt oder an die 8 Porträts von Salonistinnen durch Marie-Therese Rodet-Goffin: geschichtliche Bezüge allenthalben. Nur Rosa Juchniwiez wandte sich bevorzugt neuerer Thematik zu und stellte landscapes und menschliche Körper zur Besichtigung aus. Diese durchaus sehenwerte Ausstellung,der man den Titel geben könnte“L`Institut aux peintre feminin“ lädt die kommenden Wochen zur Besichtigung ein.

Herwig Nowak

Helmut Jahn war auch in Köln

Helmut Jahn ist tot. Mit ihm hat einer der profiliertesten Architekten unserer an hervorragenden Vertretern dieses Berufsstandes nicht gerade armen Zeit das Baugerüst verlassen. Aber  auch im Kölner Raum finden sich Zeugnisse seiner Arbeit,  von denen hier das Terminal 2 des Köln Bonner Flughafens besondere Erwähnung und Würdigung finden soll.

Eigentlich gehen die Baulichkeiten unseres Flughafens auf zwei Architekten zurück, die beide für das Bild des von ihnen Gebauten bestimmend waren: Paul Schneider von Esleben mit dem Empfangsgebäude des Terminals 1 und eben Helmut Jahn mit dem Terminal 2. Ersteres war nach seiner Erbauung in den Jahren 1966-1969 wegen des Konzepts eines „drive- in- Flughafens“ eine Sensation, weil kurze Wege zum Flugzeug das bestimmende Gestaltungselement waren. Der Fluggast sollte in fünf Minuten, nachdem er sein Fahrzeug verlassen hatte, sein Flugzeug erreichen können. Dieses Ziel sollte durch entsprechende gebäudliche Planungen wie durch ein System von Zufahrtstrassen und Parkplätzen erreicht werden. Das Empfangsgebäude  selbst sollte repräsentativ sein, wie für einen damaligen Regierungsflughafen angemessen. Das Gebäude  mit 500 m Länge und zwei vorgelagerten Flugköpfen besteht aus massivem Beton ,der sich in interessanten modernen Formen darbietet, aber kleinräumig konzipiert ist und wenig Möglichkeiten zu eventuell notwendigen Nutzungsänderungen lässt.

Ganz anders das Terminal 2,Baujahr 2000,eine weiträumige Stahl- und Glaskonstruktion, die abgesehen von der Schalteranlage, ohne jedwede detailierte Fixierung der Nutzungszwecke auskommt. Für den Fluggast bietet sie weite Möglichkeiten, sich zu bewegen. Namentlich die Höhe des Konstruktion gibt dem Terminal das Flair eines grosszügigen Bauwerks.

Man ist schon erstaunt, wie sich die Bauweise von Terminals geändert hat. Die eine Art von Terminal hat mit der anderen gestalterisch so gut wie nichts mehr zu tuen. Nur der Verwendungszweck ist identisch geblieben. In nur 30 Jahren -von 1970 bis 2000- hat der in  gewissem Sinne traditionelle ,zweckfixierte  Baustil des Terminals 1 einer eher zweckoffenen luftigen Lösung Platz gemacht. Die wiederholten Umbauten im Terminal 1 haben hier allerdings zu nicht immer  nachvollziehbaren Lösungen geführt. Das Terminal 2 lässt Nutzungsänderungen wesentlich problemloser zu. Leider  wird man allerdings zu konstatieren haben, dass dem Flughafen  eine gestalterische Homogenität abgeht.

Herwig Nowak

Alles über Venedig?

„Venedig, Venedig-Perspektiven“ ist der Titel, den Kristof Scabo, seit einer Reihe von Jahren und mit zahlreichen Tanzproduktionen einer der Protagonisten der freien Tanzscene in unserer Stadt, seiner neuesten Arbeit gegeben hat. Aufgenommen im Kölner Orangerie Theater, war und ist sie gestreamt zu empfangen.

Wer allerdings ein Kaleidoskop all` des Schönen, Schmeichelnden und Touristengeneigten der Stadt erwartet, bleibt auf einige wenige Aspekte  beschränkt. Im Mittelpunkt steht naturgemäss der Tanz, dargeboten von drei unterschiedlichen Frauentypen, die ihre Kräfte und Ausdrucksformen dazu einsetzen ,die Stadt vor ihrer Bedrohung durch das Wasser zu retten. Ihre Bemühungen bleiben unentschieden. Aber es kommt ihnen ein Engel zur Hilfe, als Göttin der Energie und übrigens auch des Todes. Er sichert die Zukunft der Stadt ab, sodass  die Präsentation mit farbenfrohen Bildern touristischen Lebens in Venedig und leicht-eingängiger Musik schliessen kann, wie sie Touristen als Urlaubsgäste lieben .Der Autor beruft sich dabei auf Bilder von Tintoretto,  die er in seine Gedanken aufnimmt.

Dem Rezensenten seien indessen zwei Wünsche erlaubt: Man möchte sich schon eine gewisse Verständnishilfe wünschen, wenn zunächst hochgradige Tanzkunst in der etwas dürftigen Bühnenausstattung aus Holzlatten gezeigt wird, dann sollte es doch ausdrucksstärkere Bezüge zu der Stadt geben, in der das Tanzfestival stattfindet.

Auch Tintoretto bleibt sehr im Hintergrund.  Dass sich eine Kunstform Aussagen einer anderen zu eigen macht, die Literatur etwa  Bilderinhalte zum Gegenstand ihrer Aussage macht, sie beschreibt und bewertet, ist nicht neu und nicht zu kritisieren. Gleiches gilt für die Musik ,die sich ebenfalls Literarisches zu eigen macht und musikalisch verarbeitet. Unter diesen Gesichtspunkten gesehen, hätte man sich die wichtige Passage der Performance, bei der sich-fussend auf den Darstellungen Tintorettos- die Zukunft der Stadt zum Guten wendet, klarer bezogen gewünscht.

Herwig Nowak

Zwei Künstlerleben in widriger Zeit:
Hans Grundig (1901-1958) und Lea Grundig (1906-1977)

Man schrieb das Jahr 1926 als sich die Lebenswege von Hans Grundig und Lea Langer in Dresden kreuzten, sie zwei Jahre später heiraten und beide seitdem ein gemeinsames Künstlerleben unter den schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen der ersten Hälfte des Jahrhunderts begannen. Waren es zunächst die Nachwehen des ersten Weltkriegs, die das Leben und Arbeiten formten, so setzte bald der aufkommende und später der etablierte Nationalsozialismus dem Arbeiten freischaffender Künstler zunehmend enge Grenzen. Das galt zunächst für Hans Grundig, dann aber auch für seine Frau, der ihre jüdische Herkunft zusätzliche Schwierigkeiten bereitete. Hans Grundig, politisch dem Kommunismus nahe stehend, wurde mit einem Berufsverbot, Gefängnis- und Konzentrationslager-Aufenthalten belegt, seine Frau des Landes verwiesen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg normalisierten sich die Lebensbedingungen. Hans Grundig wurde zum Professor ernannt und Rektor der Dresdner Akademie der Bildenden Künste. Im Jahre seines Todes-1958-wird er mit einer grossen Ausstellung seiner Werke in Dresden geehrt. Derzeit werden er und seine Frau, die im Jahre 1977  verstarb, im Gedenken an den 120. Geburtstag des Künstlers in der renommierten Dresdner Kunst-“Galerie Mitte“ mit einer umfassenden Ausstellung unter dem Titel “Tiere und Menschen. Radierungen der 1930er Jahre aus der Sammlung Maria Heiner, Dresden“ geehrt. Interessanter Weise zeigt die Ausstellung auch Werkpaare zu gleicher Theamtik beider Künstler.

Man sollte das ausgestellte Werk von Hans Grundig in seiner Aussage durchaus als politische Kunst

werten, denn mit seinen als Radierungen dargebotenen Darstellungen von Tieren und Menschen ist durchweg eine politische Aussage verbunden. Schon durch diese Aufgabenstellung, die sich der Künstler gegeben hat, ist eine Wertigkeit des Werkes gegeben. Und sein Mut erfordert Anerkennung. Das Pferd etwa, ein beliebtes Sujet des Künstlers, ist ein fliehendes, immer wieder getriebenes (die Verfolgten). Auch die Wölfe sind eine aggressive, beissende Meute (die Verfolger). Fast überflüssig zu sagen, dass auch den Schweinen eine solche anklagende Funktion zukommt. All´ das drückt sich in der künstlerischen Art der Darstellung aus. Es sind ausgemergelte, “eckige“ Tierkörper. Man spürt die drohende Apokalypse in metaphorischer Form.

Demgegenüber ist die Stilistik von Lea Grundig in weicher, geschmeidiger,  fliessender Form gehalten.

Alles in allem:Eine Ausstellung, die durch ihre politische Aussage und deren künstlerische Realisierung Aufmerksamkeit verdient.

Herwig Nowak

Physik wird Kunst

Die freie Kunstszene in unserer Stadt ist mutig, kraftvoll, ideenreich. Dabei kommt dem Generieren neuer Kunstwerke derzeit besondere Bedeutung zu, leidet doch die Präsentation der Kunst  unter den unglücklichen Gegebenheiten der Corona Epedemie in vielfältiger und Besorgnis erregender Weise Not.

Die Kirche St. Gertrud, eine der Böhm-Kirchen in unserer Stadt und generell zuständig für „Kirche und Kultur“, verdient für das Entwickeln (und Zeigen) aktueller Kunst Beachtung. Unter dem Titel “Cold Harmonies“ wird dort  derzeit eine Rauminstallation dem Besucher dargeboten, die sich das Anliegen zu eigen macht, Gesetze der Physik musikalischen Ausdruck zu verleihen. Dabei handelt es sich-zunächst organisatorisch betrachtet- um eine Zusammenarbeit der Universität zu köln,1.Physikalisches Institut, Sonderforschungsbereich 956,Prof.Dr.Volker Ossenkopf-Okada, mit  dem Konzeptkünstler und Komponisten Tim Otto  Roth. Im Rahmen der Zusammenarbeit betreibt die Universität die physikalische Grundlagenforschung für das Experiment und der Komponist deutet diese musikalisch.

Physikalischer Ausgangspunkt der Zusammenarbeit sind die Forschungen zu Spektralnebeln, die aus Wolken von Gas und Staub bestehen und für das Entstehen neuer Sterne verantwortlich sind. Diese physikalischen Grundlagen werden ausgedeutet, d. h. interpretiert hinsichtlich ihrer Geschwindigkeit, ihrer Dynamik, ihrer Transportfunktion und anderer Eigenschaften. Insbesondere sind aber die dabei entstehenden, für das menschliche Auge nicht sichtbaren Lichtwellen Gegenstand der Ausdeutung. Der Künstler setzt sie  in ein hörbares, sich stets neu komponierendes mikrotonales Klanggefüge zusammen. Das Klanggefüge ertönt aus 36 Kugeln, die in einer raumgreifenden Traube von der Kirchendecke herabhängen. Sie sind ständig in Bewegung, färben und verfärben sich immer wieder, rotieren mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, kommen selten kurzfristig zu Ruhe und geben eben die verschiedenen Lautmalereien von sich. Das ist himmlische Sphärenmusik, geboren aus der Astrophysik unserer Zeit. Der Zuhörer ist beindruckt von der Vielzahl und Art dieser Mutationen.

Herwig Nowak

Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.imachination.net/carousel/cologne_d.html

Der Coronaengel

Es ist schon eigenartig mitzuerleben, wie Begriffe ihre Inhalte verändern. Da ist der Begriff “Corona“ ,immer schon mit einem bestimmten, durchaus positiven Inhalt ausgestattet, der der lateinischen Sprachenwelt zuzuordnen ist .Das galt indes nur bis der Begriffsinhalt sozusagen mutierte und sich in unseren Tagen als Bezeichnung für eine bösartige Epedemie mit ausschliesslich negativem Inhalt einbürgerte und nur noch in diesem Sinne verstanden wird.

Aber nichts gilt für ewig! Der Kölner Künstler Jürg Rutenbeck und seine Lebensgefährtin Liesel Solscheid transzendentierten diesen Begriff abermals, indem sie einen Coronaengel als stahlgefertigtes Monument nebst einer Coronageschichte schufen, die in märchenhaft anschaulicher Weise Herkunft und Wesen dieses Engels schildert. In einem Gewusel von Geist-Wesen, also sowohl von Menschen als auch von Dämonen und Engeln, unter denen die Köken eine besondere Rolle spielen, war der Coronaengel als Wächter eingesetzt. Der Coronaengel ist aus Stahl, um dadurch gegen alle übernatürlichen Bedrohungen gefeit zu sein. Die Köken, für die Menschen sehr gefährliche, unsichtbare Wesen, haben Angst vor Stahl, denn es beraubt sie ihrer übernatürlichen Kräfte. Wenn sie in die Nähe von Stahl kommen, fallen sie tot um und ihr ganzer Zauber ist vorbei. Einzig der Coronaengel wusste die Menschen vor den Köken wirkungsvoll zu schützen. Er hatte als Engel enge Verbindung zu den Göttern und die boten ihren wirkungsvollen Schutz den Menschen an.

Das  Monument des Coronaengels, derzeit provisorisch aufgestellt, könnte seine endgültige Präsentation in der Kirche St. Agnes finden, wenn dort der Kirchenbesuch seinen eingeschränkten Modus nach der Epedemie wieder verloren hat. Dann würde der Begriff „Corona“ wieder neuen, hoffnungsvollen Inhalt finden.

Herwig  Nowak

Getanzte Vielfalt

Es fehlt nicht an Bemühungen und Versuchen, die trüben und coronageschwängerten Wintertage mit etwas mehr Lebensqualität auszustatten. Ob es sich nun um die Lektüre dichterischer oder schriftstellerischer Texte, um dichterische Darbietungen oder gar tänzerische Veranstaltungen handelt, mag dahinstehen. Die Kraft künstlerischer Darbietungen ist allemal geeignet, körperliche oder geistige Tiefpunkte zu korrigieren. Um so verdienstvoller ist es, wenn sich Künstler und Kulturmanager einbringen, um für eine lebhafte Kunstscene in unserer Stadt zu sorgen. So fand in diesen Tagen zum neunten Male das internationale “Tanz. tausch-tanz und performance festival“ statt ,bei dem sich eine grosse Anzahl junger Künstler den verschiedenen Disziplinen der Tanzkunst widmete. Die Tanzkunst wurde in drei Linien präsentiert. Neben einem notwendigerweise gestreamten Bühnenprogramm, das schwergewichtig in der alten Feuerwache ablief, standen Performances und interaktive Formate sowie ein Stadtspaziergang  in der Kölner Nordstadt auf dem Programm.

Die folgende zusammenfassende Darstellung beschränkt sich auf eine Auswahl von 6 der gezeigten und getanzten Bühnenwerke: zwei Solostücke, zwei Duostücke, und zwei Mehrpersonenstücke. Eigenartigerweise lässt sich die Feststellung treffen, dass den Solostücken (Emi Miyoshi; ChemZhang und Kai Strathmann) die stärkste suggestive Kraft innewohnte, was bei dem zweiten Stück namentlich für den männlicher Part galt. Demgegenüber überzeugten die Duostücke(„bye,bye,Baby“ ;“How to take off…“) weniger. Besonders ersterem blieb jeder Neuwert versagt. Das künstlerische Schwergewicht lag bei den Mehrpersonenstücken („Those who knew the rules“;“My body is your body“).Sie übermittelten dem Zuschauer ihre Message klar und verständlich.

Alles in allem: es gebührt den Autoren und den Künstlern des Festivals Dank und Anerkennung, weil sie in diesen trüben Tagen Lichter des Tanzes aufgestellt und zum Leuchten gebracht haben.

Herwig Nowak

Frauen am Ebertplatz

Wer die „Revitalisierung“ des Ebertplatz im Vorjahr  erlebt hat, wird deren Ergebnisse möglicherweise unterschiedlich bewerten. Moderne Kunst, der zu eigen ist, Vorhandenes zu entwerten, etwa Treppenanlagen zu disfunktionalisieren, muss man in ihrer Wertigkeit schon zurückhaltend beurteilen.

Umso mehr muss man eine Neuerung belobigen, die vielleicht etwas im Verborgenen blüht. Gemeint ist  die „Legende Kölner Frauen“ der Kölner Künstlerin Zrinka Budimlija. In einem dunklen Zugang der KVB -Haltestelle zu der eigentlichen Platzanlage des Ebertplatz gelegen, werden die dortigen Leuchtkörper zu leuchtenden Kunstkörpern umfunktioniert. Sie weisen den Besucher darauf hin ,dass er sich zwar in einem reinen Zweckbau des Öffentlichen Personennahverkehrs befindet, der aber künstlerischen Zwecken durchaus zugänglich ist. Sehr abwechslungsreich werden Frauen, lebende wie bereits verstorbene ,dargestellt, für die eine  Beziehung zum Ebertplatzviertel aufgemacht werden kann. Diese kann in bereits lange verstrichenen Zeiträumen stattgefunden haben, sie  reicht aber in anderen Fällen bis in die heutige Gegenwart hinein. Thematisiert werden klösterliche Lebensverläufe aus den vier Klöstern des Stadtviertels ebenso wie heute im Viertel lebende und arbeitende Frauen. Insgesamt werden 17 Frauenbilder und 5 Texttafeln gezeigt. Letztere erklären die geschichtlichen Abläufe, die sich hinter den Frauenschicksalen verbergen. Einzelne Schicksale stellen sich als ein Teil der Kölner Stadtgeschichte dar, etwa wenn man sich den Lebensbericht über die Kölner Stadtpatronin St. Ursula vor Augen führt.

Aber die Präsentation findet ihren Aufmerksamkeitswert nicht  allein durch Geschichtliches. Die künstlerische Darstellung verdient besondere Erwähnung. Und hier ist es das Anliegen der Künstlerin,  die Frau von heute darzustellen und zu würdigen. Es ist nicht die frauliche Schönheit—oder sie ist es nicht allein–,die dargestellt werden soll, sondern es ist eher die Frau als Teil der Gesellschaft von heute: selbstbewust, zupackend ,fast arrogant und wissend um ihre Aufgabe und Funktion, die ihr in der Gesellschaft heute zukommt. Das zu zeigen,  ist das eigentliche Verdienst der  Ausstellung und ihrer Künstlerin und dafür gilt  Glückwunsch und Dank.

 

Herwig Nowak

Gelebte Freundschaft

–Jura studieren in Deutschland und Frankreich—

Wer in diesen Tagen den neuen Brexitvertrag zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich in bildungspolitischer Hinsicht durchsieht, wird ein bedauerliches Defizit erkennen. Gemeint ist der Studentenaustausch im Rahmen des Erasmusprogramms, der nach 30 erfolgreichen Jahren zum Jahresende ausläuft. Die Briten nehmen künftig lediglich am EU-Forschungsprogramm Horizon Europe und am Kernfusionsprojekt ITER  sowie am Copernicus-Satellitenprogramm und am Weltallprogramm SST teil.

All´ das mag Anlass sein, hier auf, das was bleibt hinzuweisen, speziell auf die deutsch-französische Zusammenarbeit auf dem Gebiete des Rechts, wie sie seit Jahren zwischen der Albertus Magnus Universität in Köln und der Universite` Paris (Panth`eon-Sorbonne) durchgeführt wird . Ihre grundsätzliche Bedeutung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Welch` grosser Fortschritt tut sich den deutschen und den französischen Studenten auf, in einem integrierten Studiengang  als homogene Gruppe die gleichen Fächer studieren zu können und dann mit einem Doppeldiplom(Bachelor of laws und matrisse  en droit) abschliessen zu können. Bei der Matrisse sind zwei Stufen vorgesehen. Im Einzelnen ergeben sich die Teilnahmevoraussetzungen aus der homepage des Studiengangs.

Das Studium beginnt jeweils zum Wintersemester mit einem zweijährigen Aufenthalt an der Universität zu Köln. Dort belegen die Teilnehmer neben den Lehrveranstaltungen des Grundstudiums zusätzliche Lehrveranstaltungen und Arbeitsgemeinschaften im französischen Recht und im  Privatrechsvergleich. Nachdem die Prüfungen an der Kölner Universität bestanden sind ,wird das Studium in Paris fortgesetzt. Hier wird den Studenten der für die französische Maitrisse erforderliche Lehrinhalt vermittelt. Es besteht die Möglichkeit, sich im vierten Jahr zu spezialisieren. Nach dem erfolgreichen Abschluss in Paris erwerben die Teilnehmer die Maitrisse en droit der Pariser Uni und den bacchelor of laws Köln/Paris.

Für den jungen Studenten begründet das geschilderte Studium eine erhebliche Erweiterung seines Wissenstableau, das-man könnte sagen- nunmehr “bipolar „ ausgelegt ist. Aber nicht nur das: auch rechts- und regelungsvergleichend stehen ihm Abwägungsmöglichkeiten zur Verfügung, die ihm ohne das Studium nicht gegeben gewesen wären. Überflüssig zu sagen, dass das deutsch-französische Doppelstudium eine günstige Voraussetzung für eine erfolgreiche berufliche Tätigkeit  in Deutschland und Frankreich ist. Umso erstaunlicher ist allerdings die Feststellung, dass eine solche doppelte Ausbildung lediglich im Bereich der Rechtswissenschaften, nicht aber auch für andere geisteswissenschaftlichen Bereiche, etwa die Volkswirtschaft, gegeben ist. Ob insoweit nicht Nachholbedarf besteht?

Herwig Nowak