Aus der Arbeit des Architekten

In diesen Tagen hat sich der bekannte Kölner Architekt Johannes Schilling geoutet. Er hat die Vielzahl der Tätigkeitsbereiche eines Architekten dargestellt und untergliedert in die verschiedenen Sachbereiche. Er hat zunächst das glaubensbezogene Arbeiten genannt,Dann aber auch das unterrichtende Arbeiten,mit dem er sich an den jungen Menschen und Architekten wendet.Gefolgt von dem Tun seiner Arbeit für den Menschen und seine Bedürfnisse,etwa das Wohnen oder auch fürdie Unterbringung seiner Erzeugnisse.

Es soll nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, alle diese Aufgabenfelder im einzelnen und abzuarbeiten, wohl sollen einzelen von ihnen ihnen in ihrem Kern dargestellt werden.
Und hier ist es der „GLAUBE“mit seinen vielfältigen Fazetten und die aus ihm abgeleitete Tätigkeit des Architekten,der höchstes Interesse beanspruchen kann.Leider findet er derzeit auf einem höchst problematischen Hintergrund statt. Bekanntermaßen ist der Kirchenbesuch rückläufig. Dementsprechend steigt die Anzahl vermeintlich überzählige Kirchen.Denn das Interesse des Publikums an der Kirche schlechthin und damit auch an den Kirchen und die Notwendigkeit für diese kirchenfreundliche Lösungen zu finden,sinkt.

Bei den Lösungen ist kein konzeptionsloses Handeln gefragt sondern ein Konzeptions volles Denken, das etwa die Geschichte des Bauwerks ins Kalkül zieht. Auch die Kirchenmusik muss hier Erwähnung finden. Und die erforderliche architektonische Denke muss dann auch umgesetzt werden. Man kann nicht sagen, dass dem Architekten von heute diese Gedanken fremd sind. Zu groß ist die Anzahl gelungener Beispiele. Jedenfalls muss die neue Kirchenanlage das Erlebnis der Christlichen Gemeinschaft durch die Gläubigen in ungestörter Atmosphäre ermöglichen und dabei Betrachtung und Reflexion der künstlerischen Ausstattung mit traditioneller Kunst und neuen Werken gestatten.

Naturgemäß steht das Wort „WOHNEN“ für den Neubau und das “LAGERN“ für die Ware im Mittelpunkt architektonischer Arbeit. Beides, das Bauen für den Neubau und das Lagern für die Ware, bilden die Krönung der Arbeit des Architekten, wenn sie sich an den Gesetzen der Schönheit orientieren. Hier gibt es kein non plus ultra. Das gilt für die Notwendigkeit von Abriss und Neubau und kann einen nachmodernen Zweckbau rechtfertigen,wenn sich die baulichen Konditionen geändert haben oder die menschlichen Bedürfnisse. Dazu bedarf es keines langen Studiums, sondern eines natürlichen Gefühls. Das Objekt ist Nutzungs offen zu konzipieren und muß vielen Zwecken offenstehen.

Herwig Nowak

Ein Rheinländer wird Star

Zu den lesenswerten Büchern, die in diesen Wochen das Licht der Welt erblickten, zählt ein Werk von Peter Hoenisch, das sich dem Lebenswerk eines Johannes Wasmuth, nämlich dem Bahhof Rolandseck, widmet. Weder der Bahnhof selbst noch sein Protege mögen einem breiten Publikum bekannt sein, verdienen aber ihre Aufmerksamkreit.

„Gelebtes Leben“ möchte man den Inhalt des Buches nennen, der hier vorgestellt wird. Der Bahnhof selbst kommt erst in zweiter Linie zum Tragen. Denn sein Inhaber Johannes Wasmuth, geboren 1936 in kleinbürgerlichen Verhältnissen im rheinischen Warburg, verdient zunächst Beachtung. Eigentlich sein leben lang Schaufensterdekorateur von berufswegen, liess er elternlosen Kindern, die in Heimen lebten, seine Unterstützung zukommen indem er ihnen Nahrung und Unterkunft anbot. Zu diesem Zweck ging er einen ganz eigenrtigen Weg und erfand neue Einkommensmöglichkeiten. Er suchte Kontakt zu damals schon berühmten Künstlern und versuchte ihre Werk geschenkt zu bekommen, um sie dann weiterzuschenken. Er scheute dabei nicht, die Werke im öffentlichen Strassenverkauf anzubieten und ganz bekannt wurde der Strassenverkauf in Düsseldorf. Und auch spätere Umzüge in andere Städte, selbst die Eröffnung einer eigenen kleinen Galerie brachten ihn nicht von dieser Form der Vermarktung ab.

Aber der Schritt in die grosse weite Welt der Kunstvermittlung war damit nicht getan. Er erfolgte mit der Anmietung des Bahnhofs Rolandseck, der damals funktionslos vor sich hindämmerte und dem allmählichen Niedergang entgegenging. Er stand zum Abriss auf der Tagesordnung der Bahnhofsverwaltung. Wasmuth gelang es, die Ruine anzumieten. Sie war eine Ruine mit reicher künstlerischer Vergangenheit und grossem architekturalem Reichtum. Als solche hatte sie es Wasmuth angetan; er war vernarrt in das Objekt und das „gelebte Leben“ des Johannes Wasmuth war fürderhin ein solches für dieses Objekt. Dabei galt seine Sorge der Ausgestaltung des Bahnhofs wie ebenso seiner sinnvollen kunstbezogenen Nutzung. Er gründete eine Gesellschaft, die durch Konzerte, Lesungen und Ausstellungen die Verbindung von Musik, Literatur und bildender Kunst in dem Gebäude wachhält. Und das mit gutem Erfolg. Das Objekt selbst hat seine schlimme Vergangenheit hinter sich gelassen und präsentiert sich heute aussen wie innen in grosser Schönheit. Das ist eine erfreuliche Feststellung, die auch nach dem Tode von Johannes Wasmuth im Jahre 1997 ihre Darseinsberechtigung behält. Heute ist die Johannes-Wasmuth-GesellschaftTrägerin der Entwicklung. Nicht soll vergessen sein, dass mit Johannes Wasmuth eine bedeutende Persönlichkeit der Kunstvermittlung, verschieden ist, bedeutend wegen seiner Durchsetzungskraft, seiner Zielorientierung und seines Alturismus, der sein Leben begleitete.

Herwig Nowak

Historia monumentalis für Köln

In diesen Wochen ist ein Buch erschienen, das besondere Aufmerksamkeit verdient. Zweibändig, d.h. linksrheinisch und rechtsrheinisch, analysiert das Werk unsere Heimatstadt Köln, für die es eine historia monumentalis ausmacht. Lässt schon ein solcher Titel aufhorchen, so hat es der Inhalt umsomehr verdient. Hervorragend und überreich bebildert. Schon die Krafte unserer Stadt, die Photografie, wäre einen eigenen Bildband mit dem Titel “Historia photografica“ wert. Der Textteil des Werkes gliedert sich in nicht weniger als 30 Unterabschnitte, die hier aber nur selektiv Erwähnung finden.Vielleicht bedauerlich, dass weitere für die Wirtschaft interessante Gebiete nicht Gegenstand der Betrachtung sein können. Der Inhalt des Buches ist in drei Abschnittes gegliedert (I, II,II). Zunächst jedenfalls findet die Bedeutung des Stadt im Abschnitt I ihre Darstellung. Im Abschnitt II wird die der Vermittung von Kultur und Kunst hervorgehoben. Schliesslich wird der Rheinauhafen im Abschnitt III als eine wirtschaftsnahe Einrichtung mit speziellem Kölnbezug erwähnt.

Anmerkungen zum Abschnitt I

Wir stehen im Herzen der Stadt. Vor uns der Dom, das einzige Monument, das den Krieg nahezu unbeschädigt überstanden hat. Umringt von Schutt und Asche als Überbleibsel des Krieges. Aber die Kräfte unserer Stadt waren damit nicht abgetötet. Es folgte eine Zeit des Wiederaufbaus. Die auch heute noch nicht beendet ist. Nicht dass alles, was geplant und gebaut wurde, findet die Akzeptanz der Menschen von heute. Aber es sind damals Objekte entstanden, auf die wir auch künftig stolz sein können. Hier soll zunächst der Museumsbau „Kolumba“ genannte werden, in dessen Aussenfront die Kapelle “Madonna in den Trümmern“ integriert wurde. Das ist grosse Baukunst.

Anmerkungen zum Abschnitt II

Urspünglich war der Neumarkt ein Areal, das kaufmännischen Zwecken diente. Aber nach dem Krieg siedelten sich hier kulturelle Institutionen an. Ausgangspunkt war das Britische Kulturinstitut „Die Brücke“ im Jahre 1956. Gefolgt vom dem Museum Schnütgen mit seiner kostbaren Sammlumg mittelaltericher Kunst. Ihm folgten in den folgenden Jahren das Amerikahaus,die Volkshochschule, die Zentralbibliothek und die Kunsthalle, sowie das Museum für Ostasiatische Kunst. Allesamt getragen von städtischem Impetus. Es nicht falsch, damals von Köln als als einer Kunstmetropole zu sprechen. Die Städte wie München und Düsseldorf überflügelt hatte. Aber jene Situation währte nicht lange. Schon in der Zeit ab 2002 mussten genannte Institutionen änderte sich die Situation, weil Teile der Institutionen von Köln Abschied nehmen mussten.

Erfreulicherweise gewann die Stadt an Bedeutung durch die Ansiedlung von Sprach- und Kulturinstituten. Eines der ersten war das Maison Belge, das als Begegnungsstätte von Belgien und Deuschland schon 1950 lebhaften Zuspruch erfuhr. Dabei kommen dem Maison Belge kunstbezogene wie politische Aufgaben zu, die es bis heute wahrnimmt. Dicht gefolgt wird Belgien von Frankreich, mit dem Institut Francaise. Weitere Sprach- und Kulturinstiute folgten, etwa das Italienische und das Japanische Institut. So kann man nur hoffen, dass sich diese kölnfreundliche Tendenz auch künftig fortsetzt. Über alledem darf der Westdeutsche Rundfunk nicht vergessen werden, mit seinem politischen und kulturellen Progamm wirkt er über die Stadt hinaus. In unserem Quartier sind einige architektonisch ausgefallener Bauobjekte entstanden.

Anmerkungen zum Abschnitt III

Köln war auch schon immer eine Hafenstadt. Aber der Hafen, um den es hier in erster Linie geht, der Rheinauhafen, hat seine Funktionen massgeblich geändert. Er wurde zum Wohn- und Bürostandort umfunktioniert. Gemeint sind insoweit in erster Linie die drei Kranhäuser, deren Architektur das ursprüngliche Hafenpanorama sprengen. Anders übrigens die weitere Neubauarchitektur des Hafens. Trotz der bereits genannten geänderten Aufgabenstellung dieser Häuser blieb ihr hafenbezogener Charakter erhalten. So daß ihre Umnutzung nicht negativ zu Buche schlägt. Der Funktion nach weiten sich neben der bereits genannten Wohnungsnutzung gastronomische und museale Nutzungen aus.Von besonderer Bedeutung für das Publikum ist das Schokoladenmuseum aber auch das Museum des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Herwig Nowak

Ein bemerkenswertes Konzert

Kian Soltani und das Deutsche Symphonie-Orchester

Schönen Frauen kommt diese Bezeichnung eigenartigerweise nur dann zu,wenn sie mit natürlichem Liebreiz gepaart ist.Andere Charaktereigenschaften bleiben weitgehend unberücksichtigt.Klugheit,Inspiration finden seltener Ansatz im Rahmen einer solchen Bewertung.Dabei gibt es auch dafür Beispiele genug. Eines davon bringt das diesjährige Beethovenfest in Bonn zum klangvollen Erleben.Gemeint sind die die Aufführungen von „Kian Soltani und dem deutschen Symphonie Orchester Berlin „,eben unter der Dirigentschaft der jungen Anna Bihlmaier als eine der führenden Dirigentinnen ihrer Generation.Diese wird erstmalig in der Saison 2025/26 neben den Dresdner Philharmonikern auch das Kölner Gürzenich Orchester zu Gehör bringen.
Das genannte Deutsche Symphonie Orchester brachte in seiner Bonner Vorführung noch einen Gast der jungen Generation mit:Kian Soltani .Dieser führte die Rokoko-Variationen von Peter Tschaikowasy in der Fassung von Wilhelm Fitzenbogen, d.-h. aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts vor. Nur selten gelingt es, so klangvolle Vionloncellotöne zu hören,die einem geradezu automatisch gespielten Instrument entlockt werden.
Das Konzert gewann weitere Höhepunkte, etwa dadurch, dass die Musique Pour Les Soupers du Roi Ubu von Bernd Alois Zimmermann zu hören war und sich der Amerikaner Oly Wilson mit „Sango Memory“ anschloss. Und noch eine Besonderheit :die ungewöhnliche Veranstaltung fand einen Höhepunkt mit der Neunten Symphonie von Dimitry Schostakowitsch, jenes Musikstücks, das der Kriegsführung am Ende des Zweiten Weltkriegs von russischer Seite zur Ehre gereichen sollte.

Herwig Nowak

Er war einer von uns

Die Pfarre St. Agnes hat in diesen Tagen einen herben Verlust hinnehmen müssen. lhr langjahriger Pfarer Frank Müller ist verschieden und damit ist eine Institution von uns gegangen.Ein Mensch, dem christliches Tun und Nächstenliebe zu eigen war. So war er seit 2018 als Charitaspfarrer im Erzbistum Köln beratend und begleitend tätig.

In den Exequien für Pfarrer Frank Müller äußerte sich Domkapitular Dr. Dominik Meiering in einer reflektierenden Predigt mit bewegenden Worten, klar und deutlich. Frank Müller war einer von uns“.

Manches zum Wirken von Frank Müller ist dem Kondolenzbuch der letzten Tage zu entnehmen. Übrigens auch im bildhaften Teil. Vielleicht ist jenes Bild exemplarisch, bei dem Pfarrer Müller, selbstbewusst predigend sich der großen Anzahl der Zuhörer gegenüber zu biblischen Texten äußerte und sie interpretierte. Seine Zuhörer nahmen seine Worte in Empfang.

Noch deutlicher vielleicht war seine Liebe zur Musik und zur Kunst überhaupt.Noch heute wirken seine Reiseangebote bei den Teilnehmern nach. Hier ist u.a. die Syrienreise, die unter Thema stand, Auf der Ausbreitung des Christentum“, in lebhafter Erinnerung. Der Besuch der antiken Oasenstadt Palmyra in der syrischen Wüste war ein Highlight.

Ich schließe mit einem wunderbaren alten Text aus der Bibel, der unser Erlebnis auf seine Weise beschreibt:

Alles im Leben hat seine Zeit,
Und alles Geschehen unter dem Himmel hat seine Stunde,
Geboren werden hat seine Zeit,
und Sterben hat seine Zeit.
Pflanzen hat seine Zeit und Ernten hat seine Zeit.
Töten hat seine Zeit, und Heilen hat seine Zeit.
Lieben hat seine Zeit, und Hassen hat seine Zeit.
Krieg hat seine Zeit, und Frieden hat seine Zeit.
Gott hat alles zu seiner Zeit wunderbar gemacht.
Und er hat die Ewigkeit in die Herzen der Menschen gelegt.
Und ihr hat er auch unseren lieben Verstorbenen der Ewigkeit untergeordnet.

Herwig Nowak

Ganz viel Sommer

Die Stadt Koln hat den Sommer entdeckt. Das jedenfalls ist das Ergebnis der Veranstaltungsreihe Sommer Köln“, die die Bühnen in unserer Stadt in der Zeit bis zum 26.August beleben. Keine Veranstaltung ist fremd genug für das was dort geboten wird. Konzerte, Filmvorführungen,Lesungen bis hin zu Kabarett und Tanzveranstaltungen stehen im Angebot.
Beginnen wir mit den Konzertveranstaltungen,jener am 3.Augustim Kulturbunker Mülheim, wo die FLIM eine gemeinsame Vision vonZukunftsmusik offeriert.

Am 9.August tritt das Musikerduo Tophani auf, um ihre elektronisch gespielten Songs mit ganz eigenen Geschichten auf dem Rudolfplatz zu interpretieren.

Ebenfalls auf dem Rudolfplatz finden am 11. und 12.August kabaretistische Abende statt, für die bekannte Bühnenkünstler Verantwortung tragen.

Nicht zu kurz kommen Tanzveranstaltungen, die am 23. und 24.August das Programm bereichern, sie finden im Mediapark statt.

Ebenfalls dem Tanz sind die Veranstaltungen am 15. und 16.August gewidmet. Sie vereinbaren spektakulären und mitreissenden Tanz, der von einer französischen Gruppe dargeboten wird.

Mehrere Veranstaltungen addressieren sich an unsere Jugend, etwa am 9.August nachmittags auf dem Rudolfplatz mit Pop-songs und abends als Comedy- und Zaubershow. Die folgenden Tage bieten eine Zirkusvorstellung auf dem Rudolfplatz. Ein Klassiker hat sich für den 10.August angemeldet. Zur Aufführung kommt ,,Emil und die Detektive“ von Erich Kästner ebenfalls auf dem Rudolfplatz.

An die Jugend addressiert sich des weiteren auch ein Zirkustheater,das am 26. August im Bürgerhaus Kalk zur Aufführung kommt und sich als eine poetische Reise für Jugendliche ab 3 Jahren anbietet.

Wiederum der älteren Generation sind die letzten drei Offerten im Mediapark gewidmet,die den Film zum künstlerischen Subjekt erheben. Es geht um den 23.August an dem als Abendveranstaltung zwei Kurzfilme gezeigt werden,von denen einer mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet wurde.Ein weitere Veranstaltung ist abermals als Paartanzveranstaltung konzipiert.

Unser Programmüberblick schliesst mit dieser Übersicht.Wir hoffen, dass wir Ihnen wir Ihnen eine Kleine Hilfe sein konnten.

Herwig Nowak

Pellenz en papier

Welch seltener Werkstoff findet hier Verwendung. Kunst wird aus Papier hergestellt. Das aber ist das Metier des Kölner Künstlers Jo Pellenz.Und es gelingt ihm mit eigenwilligem Erfolg. Dabei ist sein Werk religiös begründet ebenso wie weltlichen Ursprungs. In Köln finden sich wunderbare religiöse Werke, etwa in der Trinitatiskirche, in St. Agnes und der Friedenskirche. Weltlichen Ursprungs sind Werke in Monschau, in der Kapelle auf Melaten und in Lindlar.

Der Produktionsprozess ist vergleichbar im einen wie im anderen Fall. Mitte der 90er Jahre wird sehr feines Papier verwandt, nämlich hauchdünne Juweliersseide. die zunächst genetzt und dann gerissen und des weiteren einem Trocknungsprozess unterworfen wird. Das Reissen verlangt künstlerisches Gefühl. Es muss so erfolgen, dass es das Entstehen einer individuellen menschlichen Figur von Zartheit und Leichtigkeit im späteren Rahmen des Trocknungsprozesses sicherstellt. Schnitte, Falten, Knicken und Ecken bildenalso die Grundlage für das entstehende Werk.Der Künstler lotet eine Vielzahl von Möglichkeiten aus einer scheinbaren Unendlichkeit von Körperformen, Haltungen und Bewegungen, die sich in ein reges, wohlwollendes Miteinander, in geradezu tänzerischen Anmut ihren Niederschlag finden. Zeitweise meint man sie flüstern zu hören. Dabei ist die menschliche Figur regelmäßig Teil der Menschenmenge und führt in deren Rahmen idividuelle tänzerische, promenierende, gehende Schritte aus. Dieser Bewegungskursus findet in einem geeigneten Raum statt, sodass sich der Künstler gern als Raumkünstler bezeichnet. Raum und Personen bilden eine Einheit.

Aber ews muss noch erwähnt werden, dass den Figuren nur die Zeit eines kurzen menschlichen Lebens eingeräumt wird. Hierdurch wird auf ihre Vergänglichkeit hingewiesen. Den Figuren ist ein gewisser Zeitrahmen zugeordnet, etwa von Tagen, Wochen oder länger. Die Phase des Entstehens umfasst das gedankliche Konzept des neuen Werks, vielleicht der wichtigste Bestandteil des Prozesses des Werdens, dann aber auch in der gleichen Phase das Sammeln und Zusammenfügen der Materialien für die Seinsphase. Die Auflösung der Kunstwerke gehorcht dem Naturgesetz der Endlichkeit der Dinge. Übrigens orientiert sich die Dauer der einzelnen Phase an Vorgaben, etwa der Siebentagewoche, die dem religiösen Bereich des Lebens entnommen werden. Es ist mithin nicht falsch zu sagen, dass der Behandlung der Werke eine gewisse religiöse Demut zugrunde liegt. All das schliesst übrigens eine vorherige Dokumentation der Werke in Druck oder anderen Medien nicht aus.

Die Pellenz`sche Kunstpräsentation ist also als eine temporäre anzusprechen, dennoch aber möge sie ihre Resonanz im Gedächtnis der Menschen finden.

Herwig Nowak

Argentiniens Frauen

Die Kölner Oper macht uns in diesen Wochen mit einer Operita-einer kleinen Oper- bekannt, die uns über die weithin unbekannten sozialen Verhältnisse eines fernen Landes informiert. Gemeint ist Argentinien und hier die Hauptstadt Buenios Aires, die den Mittelpunkt des Geschhens abgibt, das uns von Astor Piazzolla präsentiert wird.

Es sind Jahre eines Staatsstreichs, der Mitte der 70er Jahre Argentinien beherrschte und zu geradezu unvorstellbaren Grausamkeiten führte. Es waren ca 30.000 Menschen aller Altersgruppen und sozialen Schichten, die aus unterschiedlichen Gründen gewaltsam verschwanden.Unter ihnen befanden sich viele schwangere Frauen und auch Kinder, die mit ihren Eltern verschleppt wurden.

Dieser Machtmissbrauch blieb nicht ohne Antwort. Zwar blieben die Vorkommnisse bei Gerichten, Polizei und anderen Institutionen ungesühnt und fanden in jahrelangem Schweigen der Institutionen ihr Antwort. Aber eine Antwort blieb dennoch nicht aus. Es waren vornehmlich die Frauen des Landes, die Rache übten. Nach und nach versammelten sie sich auf der Reaea des mayo und übten sich im Umhergehen. Dabei hatten sie sich weisse Tücher umgebunden, die an die weissen Stoffwindeln erinnern sollten, mit denen ihren verschollenen Kindern Erinnerung gezollt werden
sollte.

Die „Grossmütter der plaza de mayo“, so nannte sich die Zusammenkunft, liessen sich durch nichts und niemanden bei ihrer Suche aufhalten. Sie wechselten sich bei ihrer Detektivarbeit ab und besuchten tagtäglich Jugendgerichte, Waisenhäuser und Ämter, um die Adoptionen in der damaligen Zeit zu überprüfen und die Kinder zu finden, die von den Militärs geraubt und zur Adoption gegeben wurden. Sie folgen ausserdem den Hinweisen, die sie aus der Gesellschaft bekamen. Auf dem Gebiet der Gesetzgebung erwirkten sie verstärkte Rechte für die Kinder. Sie strengten Gerichtsprozesse an, um eine Bestrafung der Verantwortlichen durchzusetzen.

Solchem administratives Handeln stand religiöse Unterstützung beiseite. Umso beeindruckender ist das Schlussbild, das eine Anzahlreligioser Bildmotive im Altarformat aufzeigt und damit den Hinweis gibt, dass die Religion neben dem staallichen Tuen ein wichtiger Handlungsstrang ist.

Herwig Nowak

Zwischen Deutschland und Frankreich

Deutschland und Frankreich sind die grossen Player Im europätschen Handel. Deutschland ist der bei weitem wichtigste Handelspartner Frankreichs. Es ist Frankreichs grösstes Abnehmerland und gleichzeitg sein wichtigstes Lieferland. Beide Komponenten machen etwa 13 Prozent der Exporte bzw.der Importe des Landes aus. Dabei wird der deutsche Markt wegen seiner „robusten Wirtschaftsverfassung“ durchaus gelobt. Aber es sind auch die gutausgebildeten Arbeitskräfte des Landes ,die zu dem positiven Urteil beitragen. Nicht zu vergessen, die Excellenz der deutschen Forschungstnstitute. Auf der Negativseite wird die deutsche Verwaltung mit deren personenaufwendigen Arbeitstil negativ genannt. Gliedert man diesen Markt regional auf, so sind Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Würtemberg und das Saarland die Regionen, die sowohl auf dem Dienstleistungsmarkt als auch in der Industrie erste Wahl darstellen. Dort werden nicht weniger als 400.000 Arbeitnehmer beschäftigt, schwergewichtig in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Mit Investitionen in Höhe von 32 Milliarden Euro ist Frankreich in Deutschland mit rd. 5.700 Tochterunternehmen vertreten.

Insgesamt gesehen nutzen viele französische Tochtergesellschaffen die zentrale Lage Deutschlands Im Herzen Europas um strategisch vom deutschen Markt aus Wirtschaftsziele In Osteuropa und anderen deutschsprachigen Märkten zu erreichen.

Besonderer Wertigkeit französischer Investitionen erfreut sich dle Gesundheitsbranche and deren Unterbranchen, wie etwa die Medizintechnik und obwohl es im Jahre 2023 einen Rückgang franzõsischer Investitionen in Deutschland gab, bleibt Frankreich ein entscheidender Investor. Ein hervorragendes Beispiel für französische Investitionen in Deutschland ist die geplante Expansion von Sanofi. Sie zeigt, dass Deutschland auch als Produktionsstandort attraktiv ist. Die foigende Liste mitarbeiterstarker französischer Unternehmen zeigt dies. Zuerst ist Airbus mit ca.33.000 Mitarbeitern zu nennen, sodann Axa mit ca.29.000 und ferner Hella mlt ca. 10.000 und schliesslich Airbus mit ca.17.000 Mitarbeitern.
Ansonsten ist der Schwerpunkt französischer Investitionen im Süddeutschen Raum zu finden, von München über Stuttgart und Frankfurt bis in den rheinischen Raum um Köln und Düsseldorf. Alledem entspricht die geographische Verteilung von französischen Tochtergesellschatten In Deutschland.

Herwig Nowak

Was ist Casablanca Art School?

Es ist ein geradezu sensationeller Eindruck, den die Casablanca Art School hinterlässt. Voll von anspruchsvollem Bildmaterial in unterschiedlicher Grösse, Konsistenz und Bildinhalten wird eine neue Welle dargeboten, die integral ist und gleichermassen den städtischen und den ländlichen Raum um Casablanca künstlerisch erfasst.

Nach der Unabhängigkeit Marokkos im Jahre 1956 revolutionierte eine neue Generation von Künstlern das künstlerische Leben in der Stadt und ihrem Umland und verwandelte es in ein Zentrum des Experimentierens indem sie die Kunst aus dem Schatten der kolonialen Geschichte in das Leben der Menschen zurückbrachte. Diese postkoloniale Avantgarde knüpfte an internationale Verbindungen an. Die Protagonisten der Casablanca Art School waren eine Mehrzahl von Künstlern und Dozenten. Alle haben Europa und die Vereinigten Staaten bereist und dort studiert, bevor sie in das marokkanische Umfeld zurückkehrten. Naturgemäss entstammten die Künstler dem nordafrikanischen Raum. Nur Bert Flint und Herbert Bayer vertreten das europäische Ausland. Ersterer hält zunächst Vorlesungen an der Kunsthochschule von Casablanca über traditionelle afrikanische Kunst, ehe er die Kultur der ländlichen Bevölkerung zum Gegenstand seiner Arbeit macht. Mit der Lehrtätigkeit an der Casablanca Art School begann ein Dialog zwischen der traditionellen Kunst und jenen Aktivitäten, die Neues vorsahen. In jenen Jahren kam es in Casablanca auch zu einer neuen Museumsgründung. Das Asilah Moman Culture entwickelte sich zu einem wichtigen Forum für die Kunst, insbesondere für die Wandmalerei.Es ist nicht falsch, Casablanca seit jenen Jahren als ein zentraler Punkt nordafrikanischer Kunst anzusehen.

Herwig Nowak