Ein Rheinländer wird Star

Zu den lesenswerten Büchern, die in diesen Wochen das Licht der Welt erblickten, zählt ein Werk von Peter Hoenisch, das sich dem Lebenswerk eines Johannes Wasmuth, nämlich dem Bahhof Rolandseck, widmet. Weder der Bahnhof selbst noch sein Protege mögen einem breiten Publikum bekannt sein, verdienen aber ihre Aufmerksamkreit.

„Gelebtes Leben“ möchte man den Inhalt des Buches nennen, der hier vorgestellt wird. Der Bahnhof selbst kommt erst in zweiter Linie zum Tragen. Denn sein Inhaber Johannes Wasmuth, geboren 1936 in kleinbürgerlichen Verhältnissen im rheinischen Warburg, verdient zunächst Beachtung. Eigentlich sein leben lang Schaufensterdekorateur von berufswegen, liess er elternlosen Kindern, die in Heimen lebten, seine Unterstützung zukommen indem er ihnen Nahrung und Unterkunft anbot. Zu diesem Zweck ging er einen ganz eigenrtigen Weg und erfand neue Einkommensmöglichkeiten. Er suchte Kontakt zu damals schon berühmten Künstlern und versuchte ihre Werk geschenkt zu bekommen, um sie dann weiterzuschenken. Er scheute dabei nicht, die Werke im öffentlichen Strassenverkauf anzubieten und ganz bekannt wurde der Strassenverkauf in Düsseldorf. Und auch spätere Umzüge in andere Städte, selbst die Eröffnung einer eigenen kleinen Galerie brachten ihn nicht von dieser Form der Vermarktung ab.

Aber der Schritt in die grosse weite Welt der Kunstvermittlung war damit nicht getan. Er erfolgte mit der Anmietung des Bahnhofs Rolandseck, der damals funktionslos vor sich hindämmerte und dem allmählichen Niedergang entgegenging. Er stand zum Abriss auf der Tagesordnung der Bahnhofsverwaltung. Wasmuth gelang es, die Ruine anzumieten. Sie war eine Ruine mit reicher künstlerischer Vergangenheit und grossem architekturalem Reichtum. Als solche hatte sie es Wasmuth angetan; er war vernarrt in das Objekt und das „gelebte Leben“ des Johannes Wasmuth war fürderhin ein solches für dieses Objekt. Dabei galt seine Sorge der Ausgestaltung des Bahnhofs wie ebenso seiner sinnvollen kunstbezogenen Nutzung. Er gründete eine Gesellschaft, die durch Konzerte, Lesungen und Ausstellungen die Verbindung von Musik, Literatur und bildender Kunst in dem Gebäude wachhält. Und das mit gutem Erfolg. Das Objekt selbst hat seine schlimme Vergangenheit hinter sich gelassen und präsentiert sich heute aussen wie innen in grosser Schönheit. Das ist eine erfreuliche Feststellung, die auch nach dem Tode von Johannes Wasmuth im Jahre 1997 ihre Darseinsberechtigung behält. Heute ist die Johannes-Wasmuth-GesellschaftTrägerin der Entwicklung. Nicht soll vergessen sein, dass mit Johannes Wasmuth eine bedeutende Persönlichkeit der Kunstvermittlung, verschieden ist, bedeutend wegen seiner Durchsetzungskraft, seiner Zielorientierung und seines Alturismus, der sein Leben begleitete.

Herwig Nowak

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